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Willhelm II. 40- und 80-jährig in "Majestät brauchen Sonne"

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WILHELM II.
Majestät brauchen Sonne
1999 - 105 Minuten
REGIE: Peter Schamoni
DREHBUCH UND KOMMENTAR: Peter Schamoni HISTORISCHE BERATUNG: Wilfried
Rogasch
KAMERA: Mike Bartlett / Ernst Hirsch / Peter Rosenwanger / Morten
Skallerud und viele frühe Filmpioniere
MUSIK: Richard Wagner / Edvard Grieg / Di Capua / Holger Aurel Jung
SPRECHER: Mario Adorf / Otto Sander / Donald Arthur / Arthur Brauss
/ Salome Kammer
ZITATE AUS DEN WILHELM II.-BÜCHERN: "Ereignisse und Gestalten"
(1922) / "Erinnerungen an Korfu (1924) / "Aus meinem Leben
(1927)
PRODUKTION: Peter Schamoni Film / Rob Houwer-Produktion, Independent
Netherlands Broadcasting AVRC und ZDF
VERLEIH: ARTHAUS - Filmverleih
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Bayerischer Filmpreis:
Produzentenpreis 2000
Eröffnungsfilm: 42. Leipziger D.-Festival 1999 (außer
Konkurrenz)
Prädikat: besonders wertvoll |
Pressezitat
DIE ZEIT, 9. November 2000, Gustav Seibt
Peter Schamonis Film über Kaiser Wilhelm II.
ist eine Sensation. Man sitzt 95 Minuten lang ungläubig staunend
davor. Begriffe beleben sich mit Anschauung, historische Interpretationen
füllen sich mit Fleisch und Blut. Diese anderthalb Stunden
bestehen zu annähernd neunzig Prozent aus Originalmaterial,
bewegten Bildern aus der Zeit von der letzten Jahrhundertwende bis
in den Zweiten Weltkrieg. Namentlich die Aufnahmen aus den Jahren
vor 1914 sind weithin unbekannt. Solche filmischen Veröffentlichungen
sollten Schule machen. Auch zeigt sich, dass der Kinofilm mit seinem
längeren Atem und seinem großen Format ganz andere Eindrücke
herzustellen vermag als die historischen Fernsehserien mit ihrem
Kleinklein aus Filmschnipseln, nachgestellten Szenen und Zeugenaussagen.
Schamoni zeigt sein Material in langen Sequenzen, unterlegt es mit
Originaltönen der Zeit (Marsch,- Fest- und Opernmusik), Zitaten
aus Wilhelms Erinnerungsbüchern (gesprochen von Otto Sander)
und dem behaglichen Erzählerbass von Mario Adorf. Einige wenige
Originalstimmen, so von Wilhelms berühmter Ansprache vom August
1914 ("bis zum letzten Hauch von Mann und Ross") schaffen
noch eine zusätzliche Aura von direkter Zeugenschaft. Wo die
Originalschauplätze noch intakt sind, so an Wilhelms Ferienorten
auf Korfu und in Norwegen, ergänzen Landschaftsbilder das authentische
Material.
Weit über die Hälfte des Materials behandelt staatspolitisch
sekundäre Vorgänge der allerhöchsten Freizeit wie
Jagden und Ferienreisen oder Repräsentationsspektakel wie Staatsbesuche,
Manöver und Paraden. Eine technische Sensation ist die Parade
zur Eheschließung der einzigen Tochter des Kaisers mit einem
Welfenprinzen 1913; sie zeigt eine fast surreale sommerliche Knallbuntheit,
so als solle die Naivität der Welt von gestern auch durchs
Kolorit illustriert werden.
Es geht voran, die ersten Automobile pesen los, riesige Schlachtschiffe
rauschen vom Stapel, ein Denkmal nach dem anderen wird fertig, Federbüsche,
Damenhüte, Girlanden, Wimpel, Jubelspaliere, alles erweckt
den Eindruck einer lärmenden sonntäglichen Wirtschaftswundergesellschaft.
Der Kaiser ist unentwegt unterwegs: innerdeutsch in einem luxuriösen
Hofzug, in Nord- und Mittelmeer auf der Yacht Hohenzollern, einem
schwimmenden Palast; vier Jahre hat Wilhelm insgesamt auf ihm verlebt.
Hier waren die Herrschaften unter sich, trieben mit dem Kaiser Frühsport
oder versteckten Ostereier für die Mannschaften. Um Wilhelm
herrschte, so suggerieren es die Bilder, permanente Internatstimmung,
die Luft von Schabernack, Mensur und Abiturfeier.
Zwei Züge des Kaisers, die bekannt waren, treten in extremer
Verstärkung hervor: seine Verkrüppelung und eine kokette
Kostümsucht. Der linke Arm war tot und klein, er hing schlaff
herunter; das hat man auf keinem Foto so deutlich gesehen.
Der Kaiser kam nie zu öffentlichen Anlässen, wenn das
Wetter nicht schön war; er brauchte das berühmte Kaiserwetter,
die strahlende Sonne, die man für ein Attribut des Absolutismus
halten mag. Er war ein Schönwetterkaiser.
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