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Botero - Geboren in Medellín

Dokumentarfilm über Fernando Botero | 2007/2008 | 88 Minuten | 35 mm | Farbe

 

Angaben zum Film

Regie
Peter Schamoni

Drehbuch
Peter Schamoni

Kamera

Ernst Hirsch, Konrad Hirsch

Schnitt
Carsten Dillhöfer, Sabine Rottmann

Musik

Bernd Steidl, Enigma, Peter Finger, Baden Powell

Sprecher

Mario Adorf

Produktion
Peter Schamoni Filmproduktion

Kurzbeschreibung

Zu Fernando Boteros 75. Geburtstag erzählt Peter Schamoni die bewegende Erfolgsgeschichte des in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen kolumbianischen Künstlers. Anfänglich hatte Botero um Anerkennung zu kämpfen, mittlerweile sind Menschen aller Kontinente begeistert von seinen Bildern und Skulpturen. Botero hat für sich einen Stil gefunden, an dem man ihn sofort erkennt: farbenfroh und üppig. Doch Schamoni zeigt nicht nur diesen Botero, sondern auch, dass sich hinter dem Klischee des Naiven ein Künstler entdecken lässt, der auch vor ernsten Themen nicht zurückschreckt. Die Bilder, die die Verbrechen der Amerikaner in Abu Ghraib zeigen, sind einzigartig. Schamoni begleitete den Künstler nicht nur in seine Skulpturen-Werkstatt in der Toskana und in sein Pariser Maler-Atelier, auch in Kolumbien selbst wurde gedreht. Schamoni nimmt den Zuschauer mit auf die gemeinsame Reise mit dem Maler, lässt ihn Teil haben an der Welt, in der der Künstler lebt und arbeitet, an den Höhen und Tiefen in seinem Leben. Peter Schamoni, der Botero seit vierzig Jahren kennt, hat den Künstler für das Kino neu sichtbar gemacht.

Regie
Peter Schamoni

Drehbuch
Peter Schamoni (Konzept)

Kamera

Ernst Hirsch, Konrad Hirsch

Schnitt
Carsten Dillhöfer, Sabine Rottmann

Ton
Jörg Sieber

Mischung
Jörg Sieber

Musik
Bernd Steidl, Enigma, Peter Finger, Baden Powell

Musik-Beratung
Sebastian Schnitzenbaumer

Mitwirkung

Fernando Botero

Sprecher

Mario Adorf

Produktion
Peter Schamoni Filmproduktion

Co-Produzent
Rob Houwer

Produktionsleitung
Anja Bartsch

Aufnahmeleitung
Martin Nieto Nuñez, Iván Dario Vélez (Kolumbien), Hans Jörg Böhm (Spanien + Portugal), Anna Rogasch,
Wilfried Rogasch (Italien), Jelte Velzen (Niederlande)

Post-Production
Robert Wäger

 

  • Enrique-Grau-Preis in Gold des XXV. Festival de Cine de Bogotá (Kolumbien) in der Kategorie „Mejor documental sobre arte“ 

 

 

„Ich komme mit meiner Kunst zu den Menschen“, sagt Fernando Botero. Peter Schamoni folgt den Kunstwerken in zahlreiche Orte, zeigt den teils abenteuerlichen Transport und Aufbau der überdimensionalen Skulpturen, die Einbindung des Werks in seine jeweilige Umgebung. Daraus ergeben sich immer wieder verblüffend neue, oft spannungsreiche Eindrücke, sei es in Chicago, in Paris, New York, Madrid, Tokio, Milano, Den Haag, am Canale Grande in Venedig oder im Berliner Lustgarten.

Botero, geboren 1932 in Medellin, verliert früh, im Alter von fünf Jahren, den Vater. Mit zwölf beginnt er zu malen, mit 16 stellt er erstmals in seiner Heimatstadt aus. Mit 18 entdeckt er den Maler Gauguin. Dessen Erfahrungen will er nachempfinden, zieht nach Tolu, ein kleines Dorf an der karibischen Küste. Dort lebt er neun Monate lang in einfachsten Verhältnissen mit einem Fischer und dem Lehrer der Schule zusammen, lässt sich von der Gauguin-Atmosphäre zu Gemälden inspirieren. Mit einem der Bilder gewinnt er einen Preis von 7000 Dollar - ein Vermögen zur damaligen Zeit. Dieses Geld ermöglicht ihm ein Studium in Europa. Mit 19 ist er in Madrid, wohnt gegenüber dem Prado und sieht sich so oft wie möglich Velázquez, Rubens, Tizian und Goya an, Bilder, die ihn ein Leben lang begleiten sollen. Er lebt vom Kopieren der alten Meister, besonders Velázquez‘ Minina hat es ihm angetan. Sie wird er später in zahlreichen eigenen Versionen malen, und auch andere Ikonen der Kunst, etwa Mona Lisa, setzt er in seinen Stil um und integriert sie damit in sein Werk.

Der junge Künstler geht nach New York, kann sich jedoch gegen die damals herrschende Vormachtstellung der abstrakten Malerei nicht durchsetzen. Nach neun Jahren hat er noch immer keine Galerie gefunden, die sich für seine figurative Malerei interessiert. Doch der Erfolg kommt - in Deutschland. Die Galerie Buchholz in München entdeckt und verkauft seine Bilder, fünf große Ausstellungen machen ihn bekannt.

Nachdem er die Kunstszene Europas erobert hat, gelingt ihm auch in Amerika der Durchbruch. Bald findet seine ausgefallene Ästhetik des Voluminösen zahlreiche Bewunderer auf der ganzen Welt, die Preise seiner Werke steigen gigantisch.

Dann stirbt, 1974, sein vierjähriger Sohn Pedrito bei einem Verkehrsunfall. Auch Botero wird verletzt und kann eine Zeit lang nicht malen. Das Drama teilt sein Leben in zwei Teile, die Zeit vor und nach Pedrito. In unzähligen Bildern hält er die Erinnerung an das geliebte Kind aufrecht.

Viele seiner Werke behandeln religiöse Themen - er liebt die Kostüme der Renaissance, Priester und Stierkämpfer sind für ihn heute die einzig fantasievoll gekleideten Menschen. Auch die Bordelle in Medellín mit ihrer verrückten Karnevalsatmosphäre haben es ihm angetan, als Orte, wo jederzeit etwas Irrationales passieren kann. Als Junge wollte Fernando Stierkämpfer werden, der Onkel nahm ihn mit in die Arena. Daraus resultiert eine lebenslange Faszination - für ihn bestimmt die Farbe die Komposition eines Gemäldes, und Buntheit liefert der Stierkampf im Übermaß. Immer wieder malt er die Corrida, in der er eine eigene Kunst sieht. Viele Matadore sind seine Freunde, von den Zuschauern in der Arena wird er stürmisch gefeiert.

Kolumbien ist das Zentrum seines Lebens, er liebt die Wärme, mit der die Menschen dort miteinander umgehen. Doch er malt auch die Schattenseiten, die Exzesse von Gewalt, den Tod. Weil er mit dem Leiden der Opfer kein Geld verdienen will, vermacht er die Bilder dem Nationalmuseum in Bogotá. Der Gewalt muss schließlich auch er weichen. Nur knapp entgeht er vor ungefähr zehn Jahren einer Entführung und verlässt seine geliebte Heimat. Zum ersten Mal sieht er im Film sein überstürzt zurückgelassenes Atelier wieder, findet angefangene Entwürfe und eingetrocknete Pinsel.

Botero fühlt sich zutiefst als kolumbianischer Maler, stiftet seiner Heimatstadt Medellín 25 Skulpturen, die auf einem eigens geschaffenen Platz aufgestellt werden, im benachbarten Rathaus wird ein Museum eingerichtet. Auch in Bogotá errichtet er ein Museum, seine komplette Sammlung europäischer Meisterwerke vermacht er seiner Heimat. Die ehrt ihn auf ihre Weise: In Cartagena poliert ein Mann seit zehn Jahren täglich Boteros riesige Frauenskulptur, erst aus eigener Passion heraus, dann wird er schließlich von der Stadtverwaltung dafür angestellt und bezahlt. In dem Touristenort werden in den Geschäften zahlreiche Fälschungen seiner Werke verkauft, lauter kleine Boteros. Botero, der mit Peter Schamoni zum ersten Mal seit Jahren wieder in seine Heimat reist, erhält sich die Erinnerung an das friedliche, provinzielle Kolumbien seiner Jugend, wie es heute noch beispielsweise in Villa de Leva zu finden ist, einer kleinen Stadt, in der die Zeit seit dem 18. Jahrhundert stillzustehen scheint.

Weitere Stationen seines Lebensweges, denen der Film folgt, sind das Atelier in Paris und die kleine italienische Stadt Pietrasanta. Dort entstehen und lagern die meisten seiner Monumentalskulpturen, wenn sie nicht gerade auf irgendeiner Ausstellung unterwegs sind. Botero arbeitet mit einer uralten Technik, bei der Bronze in mit Wachs gefüllte Formen gegossen wird. Die charakteristische tiefschwarze Patina ist nicht Farbe, sondern Ergebnis eines Oxidationsprozesses.

Einen großen Einschnitt in Boteros Werk, dem Kritiker mitunter „Schönmalerei“ vorwerfen, markiert seine Auseinandersetzung mit den jüngsten Opfern von Willkür und Folter: der Abu Ghraib-Zyklus. Die Fotos der Gräuel, die um die Welt gingen, ließen ihn nicht mehr los, er schuf an die 40 Ölgemälde und noch mehr Zeichnungen. Die Bilder, mit denen er eindeutig Stellung bezieht, werden nicht verkauft, sondern als Schenkung weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Malen, bildhauern, kreativ sein - jeden einzelnen Tag seines Lebens seinen eigenen Zirkus schaffen. Dass es möglich war, seine eigene Welt erstehen zu lassen, ist das wichtigste für Botero. Davon erzählt der Künstler immer wieder selbst, in einfacher, schöner Sprache. Der Film vermittelt das untrennbar verbundene, sich gegenseitig befruchtende Zusammenspiel von Leben und Kunst.

Blickpunkt Film, 2008, mk

Unterhaltsam-heiteres Porträt des kolumbianischen Malers und Bildhauers Fernando Botero.

Seine monumentalen Skulpturen stehen in Bogotá, Vaduz, Singapur oder Berlin und reizen zum Anfassen, Fühlen und Streicheln. Fernando Botero begeistert durch sinnliche Präsenz der Figuren, ob in seinen farbenprächtigen Bildern oder wuchtigen Plastiken. Proportionen interessieren ihn nicht, er malt gegen die Schwerkraft an - da wirkt eine schwergewichtige Tänzerin in der Bewegung grazil, Leonardo da Vincis Mona Lisa lächelt geheimnisvoll aus kugelrundem Gesicht, und Mutter Theresa schaut auf das Elend. Peter Schamoni wirft einen Blick auf das Lebenswerk des Künstlers und seinen Werdegang, den bewegten Weg aus bescheidenen Verhältnissen in Medellín, der einstigen Hochburg des kolumbianischen Drogenkartells, zur gefeierten Ikone eines ganz eigenen Stils. Schon mit zwölf Jahren begann er zu malen, mit 16 beteiligte er sich bereits an einer Ausstellung in seiner Heimatstadt. In New York erhielt die Karriere des Genies erst einmal einen Dämpfer, in der Hochzeit der abstrakten Kunst stieß er mit seinem Werk auf Ablehnung, aber dann eroberte er die Kunstszene Europas mit seiner ausgefallenen Ästhetik, die das Voluminöse zum Ästhetischen erhebt. Der Dokumentarfilm belässt es nicht bei einer simplen Aufzählung von Stationen, sondern nähert sich Botero in all seinen Facetten und Abgründen. Schamoni schließt an die Machart seiner Künstlerbiografien von Max Ernst, Niki de Saint Phalle und Friedensreich Hundertwasser an, inszeniert die Doku wie einen Spielfilm mit dramatischer Struktur, Szenen und Rhythmuswechsel. Der unbezähmbare Meister als Hauptdarsteller, der beim Stierkampf mitfiebert, der knapp einer Entführung entkam und sein geliebtes Domizil verließ. Vom abrupten Aufbruch künden noch eine unfertige Leinwand, eingetrocknete Pinsel, angefangene Entwürfe. Nie verfällt Schamoni ins Dozieren, mit kleinen Details schlägt er den Bogen zur heiteren Alltäglichkeit, wenn ein Kolumbianer tagtäglich eine riesige Frauenfigur putzt, und das als bezahlten städtischen Job, oder ein winziger Hund an einem monumentalen Werk das Bein hebt. Wer Botero noch nicht kennt, gewinnt nach diesem Streifzug Interesse an der vielschichtigen Persönlichkeit, die mit einem Abu-Ghraib-Zyklus 2006 auf das Grauen im berüchtigten Irak-Gefängnis reagiert.


Gutachten der FBW-Jury
(leicht gekürzt)


Peter Schamoni weiß, wie man aus der Kunst von anderen Filmkunst macht. In Botero – Geboren in Medellín beweist er dies wieder, indem er eine feine Balance zwischen Werkschau, Künstlerbiografie und einem Selbstporträt des Malers hält. Denn dieser erklärt selber direkt in die Kamera sein Werk, erzählt von seiner Entwicklung und gibt sogar kleine lehrreiche Exkurse über die Technik des Bronzeabguss oder über die Zustände im heutigen Kolumbien.

Schamonis langjähriger Kameramann Ernst Hirsch hat hier die Bilder und Skulpturen des Künstlers wieder grandios ins Bild gesetzt, und sein Sohn Konrad ist wohl für die dezenten Computer-Montagen verantwortlich.

Der Film überzeugt durch die Art, wie er den immensen Reichtum dieses Oeuvres ausstellt, wie er dabei auch auf den Kern des künstlerischen Impulses von Botero stößt und wie geschickt er erzählt, wenn er etwa genau im dramaturgisch richtigen Moment nach all den „schönen“ Bildern den Abu Ghraib-Zyklus vorstellt, bei dem der sonst so lebensfroh und idyllisch malende Künstler seine ganze Wut über diese Barbarei in die Bilder einfließen lässt.

Sehr positiv fiel auch die subtile Auswahl der verwendeten Musikstücke aus, wobei das südlich-sinnliche Gitarrenspiel von Baden Powell ideal der Grundstimmung von Boteros Bildern entspricht.

Ein rundherum gelungener Film, bei dem man in Anlehnung an einen der früheren Filme von Schamoni fragen möchte: „Wieviel Rundungen hat der Mensch?“.

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